Wasserkraftwerke
In Wasserkraftwerken wird die Energie des Wassers zur Stromerzeugung genutzt.
Sie setzt sich aus kinetischer Energie (Bewegungsenergie) der fließenden
Wassermenge und ihrer potenziellen Energie (Lageenergie).
Die Turbine wandelt die Energie des einfließenden Wassers in eine Rotationsbewegung um.
Ein an die Welle der Turbine angeschlossener Generator wandelt wiederum deren
Rotationsenergie in Elektroenergie um.
Die Kosten einer Wasserkraftanlage werden ganz wesentlich von der
installierten Leistung und den örtlichen Bedingungen bestimmt. Prinzipiell
haben Kleinwasserkraftanlagen einen höheren Investitionsaufwand als Großanlagen
Obwohl die in Deutschland existierenden Wasserkraftpotenziale noch
nicht vollständig ausgeschöpft sind, ist mit keinem nennenswerten
Ausbau mehr zu rechnen. Der Betrieb einer Wasserkraftanlage stellt immer einen
bedeutenden Eingriff in die Ökologie eines Gewässers dar, so dass vor allem die
Aspekte des Natur- und Gewässerschutzes zu berücksichtigen sind. Das Hauptaugenmerk
gilt heute der Modernisierung und dem Ausbau bestehender Anlagen unter Beachtung dieser Aspekte.
Laufwasserkraftwerke
Laufwasserkraftwerke sind einerseits durch geringe Fallhöhen andererseits aber
durch relativ große Wassermengen gekennzeichnet. Jahreszeitlich bedingt
unterliegen diese Wassermengen mehr oder weniger starken Schwankungen.
Zum Ausgleich wird im Flussbett ein Wehr errichtet, das einen Teil der
Wassermassen umleitet und über Schächte oder Kanäle Turbinen-Generator-Anlagen
zuführt. Unterhalb des Wehres fließt das Turbinenwasser wieder in das Flussbett zurück.
An großen, für den Schiffsverkehr ausgebauten Flüssen findet man
Laufwasserkraftwerke oft in Verbindung mit Schleusenanlagen. Die größten
Laufwasserkraftwerke Deutschlands befinden sich an Rhein und Donau und weisen
installierte Leistungen von bis zu 130 MW auf.
Laufwasserkraftwerke eignen sich aufgrund des Wasserangebotes für
einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb, d.h. als Grundlastkraftwerke.
Speicherkraftwerke
Für die Errichtung von Speicherkraftwerken eignen sich hochgelegene
Seen mit natürlichem Wasserzulauf und Talsperren. Genutzt wird hier
wird das hohe Gefälle des Wassers. Am Fuß der Staumauer hat das Wasser den
höchsten Druck aufgebaut und wird zum Antrieb der Generatoren in die
Turbinenanlagen einspritzt. Im Unterschied zu Laufwasserkraftwerken ist hier eine
kontinuierliche Nutzung des zufließenden Wassers nicht sinnvoll. Dagegen bietet es
sich an, die Kraftwerksanlage mit einer höher als aufgrund des Zuflusses angemessen
installierten Leistung auszustatten, um bei ansteigendem Strombedarf dem Speicherbecken
mehr Wasser als momentan einfließt zu entnehmen und zu verstromen. Bei verminderter
Energieanforderung wird das zufließende Wasser wieder als potentielle Energie im
Speicherbecken gesammelt. Das Speicherkraftwerk erfüllt somit sowohl die Funktion des
Grundlastkraftwerkes als auch die des Spitzenlastkraftwerkes.
Eine Sonderform der Speicherkraftwerke sind die Pumpspeicherkraftwerke.
Bei ihnen wird Wasser mittels Pumpen in ein höhergelegenes Speicherbecken
gepumpt, um bei auftretenden Tagesspitzen den Energiebedarf über eine Turbine
abdecken zu können. Zur Stromerzeugung strömt Wasser aus dem Oberbecken durch
Leitungssysteme über die Turbinen in das Unterbecken. Die an die Turbinen
angekoppelten Maschinen werden dabei durch die Wasserkraft angetrieben und
erzeugen Elektroenergie. Sie arbeiten in diesem Fall wie im herkömmlichen Wasserkraftwerk
als Generatoren. Sie können aber auch Energie aus dem Netz aufnehmen und als Motoren in
umgekehrter Drehrichtung die Turbinen antreiben. Diese pumpen zu Zeiten mit geringem
Stromverbrauch das Wasser vom Unterbecken zurück in das Oberbecken.
Bei den Pumpspeicherkraftwerken handelt es sich nicht um eine
Energiegewinnung im herkömmlichen Sinn, sondern um eine wirtschaftliche
Möglichkeit, Strom in größerem Umfang zu speichern. Aufgrund ihrer Arbeitsweise
ist ein Wirkungsgrad von 75 % erreichbar.
Kenndaten Wasserkraftwerke
- Leistungsbereich: einige kW bis 5000 MW
- Stromkosten: Speicher- und Laufwasserkraftwerke 3-10 Cent/kWh,
Kleinwasserkraftwerke 10-25 Cent/kWh
- Kostenreduzierung bis 2020: ca. 10 %
Generatoren
In der elektrischen Energietechnik versteht man unter einem
Generator eine Vorrichtung zur Wandlung verschiedener Energieformen
in Elektroenergie. Der überwiegende Teil der gegenwärtigen Stromerzeugung
erfolgt mit Hilfe von Maschinengeneratoren, die Rotationsenergie in Elektroenergie
umwandeln. Die physikalische Grundlage für die Stromerzeugung bildet hier das
Induktionsgesetz. Dieses besagt, dass in einer im Magnetfeld bewegten elektrischen
Leiterschleife ein Stromfluss entsteht. Aus Bewegungsenergie entsteht so Elektroenergie.
Dieses Prinzip lässt sich auch umkehren: Auf eine von Strom durchflossene Leiterschleife
im Magnetfeld wirkt eine Kraft und wird in Rotationsenergie umgesetzt.
Dieses Prinzip entspricht dem Elektromotor. Ein und die selbe Maschine
kann also sowohl im Motor- als auch im Generatorbetrieb arbeiten.
Der Wirkungsgrad der Umwandlung kann bei beiden Betriebsarten mehr als 90 % betragen.
Elektrischen Maschinen können in drei Typen eingeteilt werden.
Sie unterscheiden sich in wichtigen Details in ihrer Wirkungsweise
und wurden für verschiedene Einsatzgebiete optimiert. Sie werden als
Generatoren in Wasser- und Windkraftanlagen, sowie in Blockheizkraftwerken eingesetzt.
Man unterscheidet die Asynchronmaschine, die Synchronmaschine und die Gleichstrommaschine.
Die Asynchronmaschine
Die Asynchronmaschine ist seit mehr als 100 Jahren bekannt.
Sie kann ohne besonderes Zutun elektrische Energie in das Netz abgeben,
wenn sie über ihre Leerlaufdrehzahl hinaus mechanisch angetrieben wird.
In letzter Zeit ist ein starker Zuwachs beim Einsatz von Asynchronmaschinen als
Generatoren aus folgenden Gründen festzustellen:
- Das Energieeinspeisegesetz (EEG), das jedem erlaubt,
elektrische Energie in das Drehstromnetz einzuspeisen
- Der einfache und robuste Aufbau, der zur Folge hat, dass es bis auf die
Lager keine Verschleiß- und Wartungs-Teile gibt
- Die Leistungsstärke der Netze, die selbst für größere
Asynchrongeneratoren die notwendige Blindleistung zur Verfügung stellen können
- Die Zuverlässigkeit und einfache Regelung des Asynchrongenerators,
die dem Trend zum wärterlosen, vollautomatischen Kleinkraftwerk
(Anlagen zwischen einigen kW und 1500 kW) entgegen kommt
- Die Möglichkeit, ohne zusätzliche Einrichtungen wie Erregermaschinen
oder Spannungsregler am vorhandenen Drehstromnetz zu arbeiten
Die Synchronmaschine
Synchronmaschinen werden fast ausschließlich in Kraftwerksanlagen größerer
Leistung eingesetzt. Ihre Stärke liegt im Betrieb in netzunabhängigen
Anlagen bis hin zu Notstromversorgungsanlagen.
Im Gegensatz zum Asynchrongenerator befinden sich im Rotor der
Synchronmaschine elektrisch erregte Magnetspulen. Der für die magnetische
Erregung der Pole erforderliche Gleichstrom wird über eine Gleichstrommaschine,
die sich auf der gleichen Welle befindet, mittels Kontaktbürsten zugeführt.
Um die übliche Netzfrequenz von 50 Hz zu erreichen muss sich ein Generator mit nur einem
Spulenpaar mit 3000 U/min drehen. Da die Wasserturbinendrehzahl im allgemeinen zwischen
50 und 150 U/min liegt, sind viele Spulenpaare notwendig, deren Unterbringung den Durchmesser
der Maschine zwangsläufig auf einige Meter erhöht.
Der Gleichstromgenerator
Gleichstromgeneratoren sind auf grund ihrer wartungsaufwändigen
Konstruktion, insbesondere die verschleißenden Kohlebürsten betreffend,
nicht mehr im praktischen Einsatz. Ein weiterer Grund liegt in der Tatsache,
das es keine Gleichspannungsnetze zum Einspeisen der Energie mehr gibt. Für den
Eigenbau kleiner Wind- oder Wasserräder kommen sie jedoch noch als Spielzeugmotoren oder
KfZ-Motoren zum Einsatz.
Wasserturbinen
Vom Wasserrad zur Turbine war es ein weiter Weg. Schon vor mehr als
5000 Jahren wurden in Mesopotamien Wasserräder zum Schöpfen eingesetzt.
Die Römer nutzten sie später als Antrieb für Sägewerke und Mühlen.
Dies zeigt, dass Wasserkraft schon seit Jahrhunderten genutzt wird,
um die Lage- bzw. Bewegungsenergie des Wassers zur Verrichtung von
Arbeit auszunutzen. Man unterscheidet dabei zwischen dem Aktions- und
dem Reaktionsprinzip. Das Aktionsprinzip nutzt die Bewegungsenergie,
das Reaktionsprinzip nur die Lageenergie des Wassers.
Unterschieden wurden drei Arten von Wasserrädern: Das «Stoßrad», das
»unterschlächtige« und das »oberschlächtige« Wasserrad.
Die Schaufeln des Stoßrades tauchten horizontal in das Wasser ein
und nutzten so die Bewegungsenergie des Wassers.
Das aus dem Stoßrad entstandene »unterschlächtige« Wasserrad
nutzt durch eine leichte Höhendifferenz zusätzlich zur Bewegungsenergie
den Druck des Wassers beim Eintritt aus.
Dagegen nutzt das »oberschlächtige« Wasserrad hauptsächlich die Lageenergie.
Das Wasser fließt von oben auf die muldenförmigen Schaufeln des Rades und
treibt es durch sein Eigengewicht an.
Heute werden zur Nutzung von Wasserkraft Turbinen genutzt. Für
unterschiedliche Wassermengen, Fallhöhen und Drücke sind im wesentlichen
drei verschiedene Turbinenarten entwickelt worden: Die Francis-Turbine,
die Kaplan-Turbine und die Pelton-Turbine.
Die Francis-Turbine
Francis-Turbinen sind am weitesten verbreitet, da sie am
universellsten einzusetzen sind. 1849 konstruierte der Ingenieur
James B. Francis diesen Turbinentyp, der einen Wirkungsgrad von
90 % erreichen kann. Der Einsatz erfolgt vorwiegend in
Laufwasserkraftwerken, vor allem aber in Kleinwasserkraftwerke und
Pumpspeicherkraftwerken bei geringen Fallhöhen und mittleren Wassermengen.
Das Wasser gelangt durch ein schneckenförmiges, Spirale genanntes,
Rohr, in die Turbine. Zur Regulierung der Turbinenleistung können die
Schaufeln des Leitapparats verstellt werden. Durch ein Saugrohr an der
Verlängerung der Turbinenachse wird das abgearbeitete Wasser abgeleitet.
Die Francis-Turbine hat den Vorteil, dass sie auch als Pumpe eingesetzt werden kann.
Diese Eigenschaft macht man sich in Pumpspeicherkraftwerken zu nutze.
Dort werden eine Francis-Turbine und der Generator zur sogenannten
Pumpturbine zusammengeschlossen. Diese Pumpturbine kann sowohl pumpen
als auch Strom erzeugen. Die Drehzahl einer Francis-Turbine beträgt 100 bis 500 U/min.
Die Kaplan-Turbine
Die Kaplan-Turbine wurde in den Jahren 1912 bis 1918 vom
österreichischen Ingenieur Viktor Kaplan aus der Francis-Turbine
heraus entwickelt. Sie ist ideal für große Durchflussmengen und für
Fallhöhen von 2 bis 60 m.
Das Laufrad gleicht einer Schiffsschraube mit
verstellbaren Schaufeln. Es wird von Wasser umströmt und treibt einen
Generator an. Das Leitwerk sorgt dafür, dass das Wasser parallel zur Welle
auf die Schaufeln trifft. Die Kaplan-Turbine wird meist vertikal eingebaut,
so dass das Wasser von oben nach unten durchströmt. Sie erreicht einen
Wirkungsgrad von 95 % und wird bis zu einer Leistung von 125 MW gebaut.
Kaplan-Turbinen haben Drehzahlen von 50 bis 150 U/min.
Die Pelton-Turbine
Im Jahr 1889 konstruierte der amerikanische Ingenieur Lester Pelton eine
Freistrahlturbine, die s päter als Pelton-Turbine bekannt wurde.
Sein »Wasserrad« erinnert stark an das Stossrad. Es arbeitet ausschließlich
nach dem Aktionsprinzip, nutzt also nur die Lageenergie des Wassers aus.
Jedes der bis zu 40 Schaufelblätter teilt sich in zwei Halbschaufeln, sogenannte
Becher, in deren Mitte ein Wasserstrahl aus einer oder mehreren Düsen tangential
auftrifft. Bei einer Fallhöhe von bis zu 2000 m schießt der Strahl mit einer
Geschwindigkeit von über 500 km/h auf die Schaufeln. Dabei werden Leistungen von bis zu
500 MW bei einem Wirkungsgrad von bis zu 90 % erreicht.
Die Pelton-Turbine wird typischerweise in Speicherkraftwerken des
Hochgebirges eingesetzt. Ihre Drehzahl liegt bei 400 bis 1000 U/min.
Wasserturbinen